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24. Juli 2014

Der Kreisel




Abgelenkt von seinem Kuss.
Sorgenfrei für einen Moment.
Wie Atlas auf den Himmel wartend,
lauert die Last nach der nächsten Nacht.

Mit dem Schnellzug gegen die Wand.
Der weise Eremit geht an Bord,
denn dort erwartet ihn der sichere Tod.
Unfähig den Kreis zu durchbrechen,
wissend darin zu zerfallen.

Dein Ratschag bleibt tatenlos,
und doch bist Du im Recht.
Der, der meine Augen küsst ist meine Not.
Sein Lächeln mein Gebot.

Aus dem Kreisel wird kein Schmetterling.


Auf die Ohren:
Le Butcherettes - All You See In Me Is Death

23. Juli 2014

Es war einmal...

 

...eine kleine Edie, die wandelte in einem Antiquariat herum und öffnete die Schubladen und Türen alter Schränke. Und diese waren voll von weiterem wundersamen Plunder. In einer Schublade befanden sich einzelne Negative, die wild in der Gegend rumlagen und schutzlos dem Schmutz ausgeliefert waren. Gegen das Licht gehalten, erkannte sie eine längst vergangene Welt. Und damit einen wertvollen Schatz. Nach monatelangen Aufbewahrens pilgerte die kleine Edie zum ersten Mal zu ihrem Fotolabor. Ließ die Negative entwickeln und siehe da, eine wundersame Zeit als Positiv. Wer hat sie gemacht? Mit welcher Kamera? Wie sah sein/ihr Leben aus? Und wie fanden sie ihren Weg in das Antiquariat?






Auf die Ohren:
Chelsea Wolfe - Reins

8. Juli 2014

Ausbaden

Mach Dir keine Sorgen Kind.
Der Tisch ist bereits gedeckt.
Die Suppe wird jetzt ausgelöffelt.
Bis zum letzten Rest.
Welcher Löffel darf es sein?
Ich reiche ihn Dir gern.
Wähle mit Bedacht.

Den Goldenen, den verliert man schnell.
Der Hölzerne splittert leicht.
Auf Aluminium kaut es sich schlecht
und der Silberne läuft schon an.

Das Handtuch wurde geworfen.
Schmutzwäsche bei 60°,
ein Schluck Weichspüler
und einer für die Maschine.
Schongang oder volles Programm?
Kratzig wird es sowieso.

 Der Kopf steckt voller Sand.
Ab in die Wanne 
und den Waschlappen vor das Gesicht.
Haare kräftig gespült.
Und hoffen auf das Nachtlicht.



Auf die Ohren:
King Dude & Chelsea Wolfe - Be Free


7. Juli 2014

Befindlichkeitsmonolog Hiddensee, Teil VIII-IX

28.06.2014


Mit einem flauen Gefühl in der Magendgegend aufgestanden. Langsam gemacht. Sehr langsam.
Am Meer gewesen. Eine kleine Hand voll 5-Millimeter-Glück geschenkt bekommen. Essen gewesen. Schönster Sonnenuntergang in den kitschigsten Farben. Kleiner Umtrunk bei Heinz. ARTE geguckt. Gepackt. Bett.

29.06.2014


Das war's. Sitz auf dem Schiffchen. Richtung Stralsund. Hoffentlich finde ich den Bahnhof. Hiddensee war schön. Außer jetzt. Im Regen abgereist. Vielleicht besser so. Weniger schmerzliches abreisen.
Was erwartet mich Zuhause?

später: Völlig planlos in Stralsund ausgestiegen. Taxifahrer angesprochen. Keine Hilfe. Losgelaufen. Rathaus gesehen. Hübsch. Bahnhof gefunden. Drei Minuten vor Abfahrt. Auf dem Weg nach Berlin. Hab nasse Füße. Kalt. Müde. Freu mich auf Zuhause. Wo auch immer das ist. 
Hab ne ziemliche Sauklaue "für ein Mädchen".

später: In Berlin die erste halbe Stunde auf dem Gang mit drei amerikanischen Studenten verbracht. Dann noch mal losgezogen. Abteil gefunden. 
"Sitzt hier jemand?"
" Es ist reserviert.....aber ab Dresden bis Prag."
"Ich muss ja nur bis Dresden."
"Ist aber reserviert."
"Wie? Für Deinen Rucksack auch?"
Beschämter Blick des Jungen.
Werden keine Freunde mehr. Egal. Ich sitze.
Werde abgeholt :)


Auf die Ohren:
The Velvet Underground - Venus In Furs

6. Juli 2014

Befindlichkeitsmonolog Hiddensee, Teil VI-VII

26.06.2014


Eigentlich ein Nachtrag. Ist aber nicht viel passiert. Lange geschlafen. Doku über die Prohibition geguckt. Meer. Kneipe. Gespräche. Moderatorin vom MDR kennengelernt. Schöne Frau. 
Gleich ist es wieder Tag. Pferde vor meinem Fenster.
Hier möcht ich sein und nicht zurück.

27.06.2014


Wieder... Rate! Am Meer. Sonne. Kaum Wellen. Schade. Brauche den Wind um die Ohren. Gedankenflüsterer.
Links von mir eingebuddelte Windeln. Menschen sind widerlich. Rechts von mir ein Schweizer, der seiner Frau etwas vorliest.

später: Oh mein Gott. Er liest ihr das Glasperlenspiel von Hesse vor. Wer macht denn sowas!?
Hab einen Hühnergott gefunden. Habe mir die ganze Zeit einen gewünscht. Fand mal als Kind einen. Vati meinte das wäre ein Hühnergott und Glücksbringer. Jedenfalls habe ich es mir so gemerkt. Schön längst verloren. Jetzt einen schönen gefunden. Mal sehen ob er hält, was Vati verspricht.
 Aber echt. Wer liest am Strand das Glasperlenspiel vor? Und dann noch ein Schweizer. Bekomm Pickel.

 später: Die monotonste Stimme, die je ein Mensch gehört hat.

später: Ruhe. Endlich. Das welke Fleisch ist aufgestanden und baden gegangen.

später: Stell fest, ich sollte ernsthaft mit Sport anfangen. Fleischseerobben überall.

Nachtrag: Abend wieder bei Heinz in der Kneipe verbracht. Mit einem Koch über vegane Küche, Fotografie und Musik diskutiert. Beim Heimweg in Pferdeabsperrung gerannt.
Kein Strom.


Auf die Ohren:
Tim Buckley - Song To The Siren

5. Juli 2014

Befindlichkeitsmonolog Hiddensee, Teil V

25.06.2014


Bis Vitte gelatscht. Scheisseweit. Gibt hier sogar einen Edeka. Ich mag Neuendorf lieber. Weniger Menschen. Angeblich fährt am Sonntag die Fähre auch von Neuendorf ab. Keine Lust bis Vitte zu laufen.
Sitz jetzt in der Hiddenseeklause. Komische Leute neben mir. Seltsamer Humor. Werde dann noch etwas Vitte abchecken. Vielleicht bis Grieben laufen? Und zurück? Wären 20 Kilometer. Mal sehen.
Übrigens wieder Sonne. Etwas Wind. Danke!

später: 20 Kilometer. Füße sind Brei. Hab mir den Leuchtturm angesehen. Meer. Segelschiffe. Sonne. Blaues Wasser. Und. Fußschmerzen.
Bus fährt nur bis 16.40 Uhr.
Toll.


Auf die Ohren:
The Raconteurs - Steady, As She Goes

4. Juli 2014

Befindlichkeitsmonolog Hiddensee, Teil IV

24.06.2014


Zum Frühstück Erbsen. Geh noch mal in die Einkaufsquelle. Brauch Getränke. Hat ja offen. Bin ja Bestens informiert.
Heute kein Sturm. Man hört das erste Mal die Möwen.

später: Tag wieder am Strand verbracht. Warm, Sonne, weniger Wind. Bis zum kleinen Leuchtturm gelaufen. Sehr, sehr schön. Tolle Landschaft. Auf dem Rückweg. Lauf durch die Wiese. Vor mir zwei Fahrradfahrer. Der Mann vorn. Die Frau hinten. Die Frau stürzt mit dem Fahrrad. Mann bekommt nichts mit. Typisch. Ich helf der Frau.
Überleg ob ich den Deich lang geh. Respekt vor Schlangen. Ich geh.
Vor mir ein Paar. Die Frau knickt um und fällt. Überlege ob ich ein Unglücksbringer bin.
Komm zu dem Entschluss, dass die Frauen zu doof zum laufen sind.

später: Päuschen gemacht. Dann wieder ans Meer. Bis zur Absperrung gelaufen. Extrem weit.
Am Kadaver einer Möwe vorbei. Kopf ab. Sehr Pfui. Schlechtes Omen? Foto gemacht. Sonnenuntergang. Foto. Nach Hause. 
Ich hasse Junikäfer.



Auf die Ohren:
The Duke Spirit - Love Is An Unfamiliar Name

3. Juli 2014

Befindlichkeitsmonolog Hiddensee, Teil III

23.06.2014


Ausgeschlafen. Night Fever gesehen. 70er-Jahre-Filme sind strange! In der "Einkaufsquelle" gewesen. Abgecheckt worden. Erbsen gekauft. Bezahlt. Geh raus. Will ein Haus fotografieren. Steht neben mir einer aus dem Laden.
"Morgen haben wir auch auf."
Ich überleg noch was ich antworten soll.
"Und übermorgen auch."
Aha. "Also quasi Montag bis Freitag!?"
"Ja."
"Und was ist mit Samstag?"
"Von 8.00 bis 12.00 Uhr"
"Aha...Danke!" Ein freundliches Lächeln. Scheine hier Mangelware zu sein.

Geh auf dem Deich spazieren. Weit und breit niemand zu sehen. Kann in die Ferne sehen. Beschließe bis an das Ende zu gehen. Träume vor mich her. Eine große schwarze Schlange mit weißer Zeichnung auf dem Kopf überquert zwei Meter vor mir den Weg. Ich halt an. Schreck. Sollen hier angeblich giftig sein.
Kehr um. Geh ans Meer.
Später in die hochgelobte Kneipe. Bestell Fisch. Wenn ich mal an der See bin.
Erster Bissen. Göttlich. Alle weitere ekelhaft. Esse nie wieder Tier!

Sitz am Meer. Sonne und Sturm. Sonne und Sturm.

später: Schau "Midnight in Paris". Woody Allan. Soso. Mag den Film. Aber nicht die männliche Hauptrolle. Trotzdem. Romantik.


Auf die Ohren:
Burning Hearts - Burn Burn Burn

2. Juli 2014

Befindlichkeitsmonolog Hiddensee, Teil II

22.06.2014


Seltsame Nacht gehabt. War beim Puppenspiel. Sehr schön. Unerwartet schön. Barfuß im Dunkeln durch die Nacht. Durch Pfützen. Kalter Wind. Kaltes Wasser. Nackt. Im Meer. Bis zur Hüfte. 
Heute Morgen wieder Meer. Ich bin allein. Seh schlafende Pferde. Hab etwas verloren.
Vor dem Meer gab es Musik und Wein. Privat. Würde mich gern besonders fühlen. Tu es aber nicht.

später: Nicht viel geschlafen. Stundenlang am Strand gelaufen. Geschrieben. Durch die Dünenheide. Ganz allein. Kein Mensch zu sehen. Am Meer und in der Heide. Schön. Einsam.

später: Eigentlich perfektes Wetter. Sonne und Sturm.



5 Millimeter Glück

Du musst schnell laufen, 
um nicht zu ertinken.
Denn ertrunken ist so mancher, 
an seinen Gedanken.

Die alte Frau meinte, ich sei eine gute Begleitung.
Du ahnst nicht wie gut. 
Still und eindringlich, aber vor allem kurzweilig.
Meinetwegen halte Dich für die Sirene.
Meine Ohren sind taub.

Die Schwalbe folgt mir auf Schritt und Tritt.
Ich folge keiner Spur.
Dreh mich um.
Die Gräber bücken sich für fünf Millimeter Glück.
Ich grabe nicht.

Ich finde die Perfektion, da wo Du nicht hinblickst
und opfere dafür das bisschen Glück.
Soll ich zurück ins Robbenfell?
Die sieben Jahre sind schon lange rum.

Er führt sie den Weg entlang.
Dort gibt es nichts.
Da war ich schon.

Erzähl mir nichts vom Leben.
Behalte Deine Belanglosigkeit für Dich.
Flüster mir schöne Worte ins Ohr. 
Nur für einen Augenblick.
Denk nicht, Du seist mein Retter.

Die Schwalbe dreht um und fliegt
zum nächsten Ertrunkenen.

Auf die Ohren:
Warpaint - Shadows

1. Juli 2014

Befindlichkeitsmonolog Hiddensee, Teil I

21.06.2014

1-A-Start hingelegt. Vergessen das Sonntag ist und natürlich ewig auf die Straßenbahn gewartet, die nicht kommen würde. Dann zum Zug gerannt, der verpasst wurde. Taxi. Cooler Typ. Quietschende Reifen. 8 Euro Trinkgeld. Großes Feierabendbier für ihn. 
Abschied genommen. 
Schön.
Und jetzt sitz ich im Zug. Ich bin müde.

später: Ach Berlin, schön bist Du ja nicht, aber ich mag Dich trotzdem.

später: Bin angekommen. Hab mir 2 Euro als Gepäckträger verdient (Wollte ich nicht annehmen, wurde aber genötigt.) Dann in Neuendorf nen netten Typen samt Freundin kennengelernt und zur Pension gebracht worden. Sitz jetzt hier. Ich schau aus dem Fenster. Ein Wolkenmeer, der Deich und das Meer. Perfekt. Jetzt ausruhen. Nase schnauben und etwas Essen gehen. 20 Uhr soll ich zum Puppentheater. Mach ich vielleicht.

später: Hab bissl Kopfschmerzen und warte im Café Rosi auf meinen Sanddornkuchen und die heiße Schoki. Vegan ist hier nicht. Egal. Hab Urlaub. Werde auch Fisch essen. War vorhin am Meer. Irre schön! Wolken, Wind, Sonne, kaum Menschen, Wellengang. Ein Mann auf Bernsteinsuche. Und tolle fotofreundliche Pferde. Eines hat sogar richtig gepost. Poserpferd heißt jetzt Winston.



Auf die Ohren:
The Raveonettes - I Wanna Be Adored