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2. September 2015

Kosmetik minimalistisch(er)



Vorgeschichte:

Die ersten ernstzunehmenden Schminkversuche hatte ich mit 14 Jahren. Ich erinnere mich noch recht gut an diesen glorreichen Tag in der Schule. Es muss um 2000 gewesen, vielleicht auch noch 1999. Eines Morgens kam ich mit rotumrahmten Lippen in die Klasse.  Der Mund war mit dunkelroten Lipliner nachgezeichnet, aber natürlich nicht ausgemalt. Zu dieser Zeit war es ganz modern die Lippen schwarz bzw. dunkler zu umranden und dann noch einen Lipgloss als Topping dazuzugeben. Sah natürlich verboten aus. Weiß man natürlich immer erst hinterher.

Seit dieser Zeit sind doch etliche Jahre ins Land gegangen. Nun steuere ich auf die 30 zu. Dass ich das noch erleben würde, hätte ja auch keiner mehr für möglich gehalten. Am wenigsten ich selbst. Wenn ich nun also auf die Jahre zurückblicke und gerade in Bezug auf die kosmetischen Experimente, hab ich doch einiges ausprobiert. Die Haare waren rot, braun, schwarz, pink, orange, mit-beiden-Augen-zu-drücken blond (eher grün)… mit Chemie, Henna und im Notfall mit Wimperntusche gefärbt. Die Augenbrauen wurden wild gezupft und hätten mitunter eine Marlene Dietrich neidisch gemacht. Und im Gesicht landete auch so einiges an Produkten, was verschönern, verheilen, verjüngen und verbessern sollte. Ich experimentierte mit den üblichen Produkten aus der Drogerie, landete auch mal in einer Parfümerie und kam fast pleite wieder raus, Produkten aus der Apotheke (auch verdammt teuer) und Naturkosmetik. Alle versprachen viel, hielten aber nur wenig. Manchmal wundert es mich, dass mein Gesicht nachts nicht strahlt. Könnte man annehmen, nach dem ganzen Giftmüll. 

Periorale Dermatitis

Die letzten Jahre entwickelte ich daher auch eine POD (Periorale Dermatitis). Das ganze Ding nennt sich auch Stewardessen-Krankheit und beruht angeblich auf die Überpflegung der Haut. So richtig raus ist das allerdings noch nicht und man kann nun seitenweise Artikel im Internet dazu suchen und finden. Warum nun einer, der relativ wenig Produkte verwendet (Creme, Waschgel, Foundation, Puder) POD bekommt und ein Anderer nicht (Abschminkschaum, Gesichtswasser, Feuchtigkeitsampulle, Creme, Augencreme, Primer, Foundation, Puder, Bronzer, Rouge,…), weiß nun auch niemand. Genetik? Qualität der Produkte? Die Zeit? Was auch immer verantwortlich dafür ist, schön ist es nicht! Hat man dann erstmal herausgefunden, unter welcher Hautkrankheit man denn nun eigentlich leidet, geht schon etliche Zeit ins Land. Der Hautarzt schwingt ja, wie immer, seine Akne-Theorie-Keule und ist so hilfreich wie Herpes.

In meinen schlimmsten POD-Zeiten...und das war schon Hardcore Freunde, glich meine Haut einem Stück alten Papier. Sie war trocken, schuppig, juckte, glich einer Akne und riss. Ja. Sie riss, wenn ich mich waschen wollte oder zu breit grinste. Dann fing sie an zu bluten. Mimik war teilweise eine echte Herausforderung. Um aus diesem Zustand wieder herauszukommen half mir nur sehr viel Wasser trinken, eine Creme für überempfindliche Haut, Schwarzer-Tee-Gesichtsumschläge (oder als Gesichtswasser aufgetragen) und Geduld. Das Schminken sollte man auch lieber lassen, aber ich konnte es auch nicht. Obwohl ich geschminkt auch nicht besser aussah. Damit kurierte ich diese Hautkrankheit einigermaßen gut aus.

Heute

Wie gesagt, ich habe nun jahrelanges Rumprobieren und Ausprobieren mit der verschiedensten Kosmetika (dekorativ, pflegend, …) hinter mir. Ich möchte gar nicht wissen, welche Unsummen an Geld ich der Kosmetikindustrie gespendet und was ich meiner Haut so alles zugemutet habe. Nun bin ich an einem für mich gesunden Punkt angekommen.

Meine dekorative Kosmetik passt nun  in eine kleine Schminktasche und besteht aus 10 Teilen. Damit kann ich mich immer noch austoben und bunt anmalen. Ich kann variieren, muss aber nicht und nichts nimmt wertvollen Platz weg. Die Tasche ist auch schnell eingepackt, wenn ich doch mal spontan verreise oder woanders übernachte. Wenn ich da an einige Youtube-Beauty-Videos denke, bei denen Schubladenweise Makeup rumgammelt wird mir ganz anders. Das stresst mich dann regelrecht, weil ich daran denke, dass die Hälfte davon vermutlich schon schlecht ist, man keinen Überblick mehr über die einzelnen Dinge besitzt, sie vielleicht schon leicht verdreckt sind (wird wohl kaum jemand regelmäßig seine 500 Lipglosse abstauben und abwischen) und wieviel rausgeschmissenes Geld in diesen Schubladen und Schränken lagert. Und generell…dieser wertvolle Platz. Mittlerweile bin ich der Meinung man müsse auch mal Platz für Nichts haben.

Was die pflegende Kosmetik angeht, ich nenne das jetzt mal so, habe ich auch reduziert. Besonders „viel“ besaß ich an Reinigungsprodukten. Da hatte ich natürlich auch massig ausprobiert. Nun besteht meine Abschminkroutine aus einer Aleppo-Seife und der Oil Cleansing Method mit Bio-Mandelöl. Am Abend gibt es noch ein wenig Zinksalbe und morgens eine Creme von DM. Fertig. Es gibt keine Makeup-Rückstände, die Haut fühlt sich traumhaft an und hat sich auch sehr verbessert.

Zusammengefasst: 
- Aleppo-Seife
- Mandel-Öl
- 10 Schminsachen

(Zahnbürste und Co. versteht sich wohl…)

Wenn es für Euch funktioniert, dann bleibt dabei. Aber warum Dinge verkomplizieren, wenn es auch einfach geht?

(Anmerkung: Für alle diejenigen die unter akuter POD leiden, würde ich erst mal von meiner Reinigungsmethode absehen. Die könnte vermutlich zu „aggressiv“ sein. Lieber auf Make up verzichten und wenn doch, dann auf sanfte Reinigung setzen. Eine gute Creme für überempfindliche Haut [da auch mal mehr Geld dafür ausgeben] ohne Schnickschnack. Weniger ist mehr! Und viiiiel Wasser trinken! Das hilft Wunder :-) .)

Ach! Und bevor ich es vergesse, aus meiner ehemaligen Nagellack-Sammlung (siehe Bild), hat nur noch ein Nagellack überlebt. Befreiend!

 

Kommentare:

Vaeny Zing hat gesagt…

Haha...tja das kenn ich auch ^^ hab meine Haut komplett kaputt gemacht mit den "Scheiß" ich darf nach jahren eine etwas aggressiveren Pickel creme benutzen, eine fettende creme für drüber und Make up...alles aus der Apotheke vom Hautarzt verschrieben :D + Concealer und Blush

Find das momentan echt extrem was die meisten Weiber/Bloggerin für einen krankhaften drang haben haufenweise Make up zu besitzen und von manchen Produkten 6 verschiedenen Bodylotion oder Körpersprays zu besitzen...wiesoooo???

Edie hat gesagt…

Ja, das nimmt teilweise Ausmaße an... Ich denke, viele von Ihnen bekommen auch sehr viel Zeug zum testen mitgeschickt und das wird dann eben mit "eingelagert". Ich bin mir aber nicht sicher, ob das die Zuschauer so richtig mitbekommen. Was davon eigentlich Eigenanteil ist. Außerdem steht man bei solchen Sachen auch unter Druck immer wieder neue Sachen vorzustellen. Keiner will immer dieselben Videos von demselben Makeup ansehen ^^ Und wenn man dann keine weiteren Hobbys besitzt oder sonst nicht weiß, worüber man erzählen soll...bleibt eben nur noch die Produktwerbung.

Und ich denke die Sammelwut und der Irrglaube, mehr Besitz macht glücklicher, tun ihr weiteres. Unsere Gesellschaft hat einfach verlernt "Genug" zu sagen. (Gibt es auch ein tolles Buch mit dem Titel Genug - von John Naish.) Dadurch auch die Minimalismus- und die DIY-Welle. Nehme ich an...

So, ich hoffe die Antwort wird jetzt gepostet. Hatte die letzten Monate Schwierigkeiten bei der Kommentarfunktion.